Art
Realisierungswettbewerb, Bebauungsplan, Wohnen, Kindertageseinrichtung

Preisgericht
06/2011 – 1. Platz

Baujahr
2011-

Bauherr
Baugesellschaft München-Land GmbH

Nachverdichtung Putzbrunner Straße in Ottobrunn

Städtebauliche Grundsätze
Durch den fast vollständigen Entfall der Bestandsgebäude entstehen neue, wertvolle Planungsspielräume. Durch den Bestand hervorgerufene Zwangspunkte, wie sie bisher vor allem im Nordteil existierten, werden durch die Überplanung vollständig aufgelöst. Es entsteht eine noch stärker aufgelockerte Bebauungsstruktur, die aufgrund der weitgehend unverändert beibehaltenen, relativ kleinteiligen Gebäudetyplogie, eine sehr hohe Durchlässigkeit für Passanten und Blickbeziehungen aufweist. Die Kleinteiligkeit gewährleistet zudem – auch stirnseitig vollwertige – Belichtungsmöglichkeiten für die Gebäude selbst (stirnseitiger Mindestabstand 5m zur Vermeidung innenliegender Bäder, Küchen etc.).
Die städtebauliche Gesamtstruktur bleibt in ihren Grundzügen erhalten. Gleiches gilt für die abgestufte Gebäudetypologie (II+L und III+L, mit der Abstufung jeweils auf der Nord- oder Ostseite). Die Abstufung hat – dem Einstrahlwinkel der Sonne folgend – sehr positiven Einfluss auf die Besonnungssituation in den Höfen sowie in Richtung des Bestands (und verkürzt darüber hinaus an den Engstellen die Abstandsflächen, vgl. auch die Erläuterung aus dem 1. Verfahrensschritt). Aufgrund dieser Vorteile wird an der bisherigen Dachgestaltung und -ausrichtung auch bei einer Photovoltaiknutzung festgehalten, zumal inzwischen Produkte verfügbar sind, die auch hier gute Ergebnisse liefern (siehe auch weitere Erläuterungen unten).
Trotz städtebaulicher Auflockerung konnte die bauliche Dichte maßvoll angehoben werden (+9,5%). Dies wird zum Einen durch die wirtschaftlichen Baukörpertiefen ermöglicht, die größer als im Bestand sind. Zum Anderen wurden die Gebäudeabstände im Nordteil deutlich erhöht, so dass zur Bahnseite eine Anhebung der Geschoßzahl von II+L auf III+L ohne Beeinträchtigung des Wohnumfelds möglich und – nach Ansicht der Verfasser – städtebaulich vertretbar wurde.

Städtebauliche Veränderungen
Der nördliche Hof kann durch den Entfall des Bestands deutlich aufgeweitet werden, was vor allem der Besonnung auf den Gartenseiten der Gebäude und den Grün- und Spielbereichen im Inneren des Hofes zu Gute kommt. Die Hofstruktur bietet – wie bisher – Schutz vor den Emissionen der Bahn und der Putzbrunner Straße.
Die südlich daran anschließenden Gebäudestellungen wurden leicht verändert, um die Besonnung und die TG-Anbindungen nochmals zu verbessern. Die Bebauung entlang des Südabschnitts der Josef-Seliger-Straße wurde durch die Drehung eines Baukörpers in zwei Quartiere untergliedert. Hierdurch entstehen neue, abwechslungsreiche Raumabfolgen im Freien und eine Auflockerung der Straßenansicht an der Josef-Seliger-Straße aus Sicht der bestehenden Nachbarschaft im Osten.

Bauabschnitte
Aufgrund der Verknüpfbarkeit der Tiefgaragen ist die Lage der Rampen und die Bauabschnittsbildung flexibel. Eine mögliche Bauabschnittsbildung ist in den Erläuterungsgrafiken detailliert beschrieben. Durch die Zahl der Rampengebäude kann zudem die Größe der TG-Abschnitte gesteuert werden, wobei der vorliegende Planungsvorschlag die Anzahl der Zufahrten zugunsten einer erhöhten Wohn- und Freiflächenqualität auf ein sinnvolles Maß beschränkt.
Die Gebäude der Neuplanung rücken im Nordteil der Josef-Seliger-Straße stärker vom Straßenraum ab als der Bestand, so dass erstmals die Möglichkeit besteht, die bestehende Reihe an Kopfparkbuchten bis zur Putzbrunner Straße zu verlängern. Auf diese Weise könnten – über den notwendigen Stellplatzschlüssel hinaus – öffentliche und räumlich zugeordnete Besucherstellplätze angeboten werden. Dies würde den Parkierungsdruck auf die Straßenräume der Nachbarschaft und die Wegelängen reduzieren.

Energieversorgung / Wirtschaftlichkeit
Das grundsätzliche Ziel der Energieversorgung für die Heizwärme und die Brauchwasserbereitung liegt darin, ein wirtschaftlich sinnvolles und nachhaltiges Konzept zu entwickeln. Dabei sind die Investitionskosten und die laufenden Betriebskosten heranzuziehen und in der Entscheidung zu berücksichtigen. Aufgrund der geologischen Situation des anstehenden Grundwassers wäre der Einbau einer Wärmepumpe mit Grundwassernutzung theoretisch möglich (genaue Grundwasseruntersuchungen erforderlich). Ob der Einsatz einer Wärmepumpe oder eines Blockheizkraftwerkes als Grundlastversorgung wirtschaftlich ist, müsste in der Vorplanung untersucht werden.

 

Wettbewerb 2011, Städtebauliche Gesamtkonzeption, Bebauungsplan, Planung Gebäude und Freianlagen LP 1-5
Goergens Miklautz Partner GmbB, München
Rudolf Miklautz, Dipl.-Ing. (Univ.) Architekt
Christian Weigl, Dipl.-Ing. (Univ.) Architekt und Stadtplaner
Kurt Mattei, Dipl.-Ing. (Univ.) Architekt und Stadtplaner
Anina Frisch, Dipl.-Ing. (Univ.) Architektin
Florian Brummann, Dipl.-Ing. (Univ.) Architekt
Can Ren, M.Sc. Städtebau
Lukas Sambataro, B.Eng. Landschaftsarchitektur
Olga Laubender, Dipl.-Ing. (Univ.) Architektur
Kathrin Große, Architektin
Beatrice Kössl, Dipl.-Ing. (FH) Innenarchitektur

Statik Brandschutz
Sacher GmbH, München

Bauakustik
C. Hentschel Consult Ingenieurgesellschaft mbH, Freising

Erschütterungsschutz
ACCON GmbH, Greifenberg

Verträglichkeitsuntersuchung
CIMA Beratung + Management GmbH, München

Verkehrsplanung
Ingenieur- und Planungsbüro Wunderlich GbR, Edling

Immissionsschutz
IMAKUM GmbH, Germering

Spezielle Artenschutzrechtliche Prüfung
Dr. H. M. Schober – Gesellschaft für Landschaftsarchitektur mbH, Freising

Artenschutzrecht
Büro Hildenbrand, Ludwigsburg

Modellbau
Bures + Kratzer, München